Deutschlands blühende Start-up-Szene in der Logistik

Die Logistik ist der drittgrößte Wirtschaftsbereich in Deutschland. Mehr als 3,2 Millionen Beschäftigte arbeiteten 2020 in der Branche. Immer wieder sorgen neue und innovative Ideen dafür, dass die Logistik hierzulande effizient arbeitet und international wettbewerbsfähig bleibt. Und diese Ideen, die oft in neue Technologien münden, kommen nicht selten aus der Start-up-Szene. Ob 3D-Druck, Intralogistik, Supply-Chain-Digitalization, Flottenmanagement und Routenoptimierung oder Smart- City-Themen – die Ideenvielfalt kennt in diesem Bereich kaum Grenzen.

Die folgenden fünf Start-ups aus dem Bereich Logistik und Supply-Chain-Management geben der Branche mit ihren Innovationen wichtige Impulse und Perspektiven.

1. sennder: Organisation von Warentransporten

Das Berliner Start-up sennder verknüpft gewerbliche Verlader mit Spediteuren und bietet somit eine digitale Schnittstelle für Abrechnungen, Dispositionen und Fahrten-Buchungen. Es verwaltet bereits über 10.000 LKWs in ganz Europa. In der bisher letzten Series-D-Finanzierungsrunde sammelte das 2015 gegründete Start-up umgerechnet 131 Millionen Euro ein und erreicht damit eine Firmenbewertung von fast einer Milliarde Euro. Es ist mittlerweile in 14 Ländern aktiv und bezeichnet sich als Europas führende digitale Spedition. Die eigens entwickelte Software-Lösung sennOS, mit deren Hilfe sämtliche Transportabläufe digitalisiert werden können, wird jetzt auch an andere Logistiker verkauft.

2. Sparetech: Optimierung des Ersatzteilmanagements

Das Stuttgarter Start-up Sparetech hilft Produktionsbetrieben mit einer digitalen Lösung, die Transparenz über den Bestand wichtiger Anlagenteile zu erhöhen. Laut eigener Aussage ist das eigens entwickelte Tool der schnellste Weg, um Kosten zu sparen und die Lagerbestände im Produktionsverbund um bis zu 25 Prozent zu reduzieren.

Die Basis der Software bildet eine industrieübergreifende und unabhängige Produktdatenbank für Maschinenersatzteile. Darüber hinaus listet das Programm alle eingesetzten Bauteile aus der Produktion auf – und zeigt zugleich, wo Ersatz verfügbar ist. Einkäufer können auf diese Weise doppelte Ersatzteilbestände eliminieren, standortübergreifende Beschaffungssynergien realisieren sowie den technischen Klärungsaufwand reduzieren. In der Autoindustrie hat sich das Unternehmen seit dem Start 2019 bereits vorgearbeitet, nun sollen die Pharma- und Stahlindustrie folgen.
 

3. Expozed1: Buchung von Lagerflächen im Airbnb-Stil

Die Gründer des Start-ups Expozed1 ließen sich vom Airbnb-Konzept inspirieren: Ihr Geschäftsmodell ist eine Vermittlungsplattform für Lagerflächen nach dem Vorbild des Online-Marktplatzes für Ferienwohnungen. Unternehmen mit Bedarf an einer Lagerfläche können diese bei anderen Unternehmen mieten, die über nicht benötigte Freiflächen verfügen. Die Laufzeiten sind flexibel, doch anders als bei Immobilienvermittlern ist die Plattform eher für kurzfristige Arrangements gedacht. Erst seit Oktober 2020 online, operiert das Start-up Anfang 2021 überwiegend regional im Süden Deutschlands. Die Ulmer wollen aber zügig expandieren.

4. limbiq.com: KI-gestützte Supply-Chain-Lösungen

Das Duisburger Start-up limbiq.com aus Duisburg hat eine KI-gestützte Supply-Chain-Lösung entwickelt, dank der die Kommunikation zwischen Industrie, Handel und Logistikdienstleister erleichtert werden soll. Die 2020 gegründete Plattform verbindet alle Partner in der (internationalen) Lieferkette unabhängig von deren IT-Infrastruktur in einem transparenten Netzwerk, das allen Beteiligten zur Verfügung steht. In einer ersten Finanzierungsrunde konnte das junge Unternehmen über eine halbe Million Euro an Risikokapital einsammeln.

5. NautilusLog: Digitalisierung der Schifffahrtslogistik

Das Hamburger Schiffslogistik-Startup NautilusLog hat ein digitales Logbuch in Form einer App für Tracking, Reporting und die Zusammenarbeit von „ship & shore“ entwickelt. Sie hilft, die Aufgaben zu erledigen, die sowohl an Land als auch an Bord der Schiffe anfallen. Beispielsweise erinnert die Software die Besatzung eines Schiffs, den Treibstoff zu wechseln, oder Dienstleister an Land, Inventuren durchzuführen. Emissions- und Zustandsberichte sowie Gefahrstoffverzeichnisse liefert die App ebenfalls. NautilusLog wurde 2018 gegründet. Im selben Jahr gewann das Unternehmen mit seiner Idee den Digital Logistics Award.