Es war einmal in Mesopotamien...


Reisen wir in der Zeit des Einkaufs und des Beschaffungswesen zu ihren Anfängen zurück, so beginnt ihre Geschichte genau hier: In einem der wichtigsten kulturellen Entwicklungszentren des Alten Orients. Archäologische Funde liefern deutliche Hinweise, dass in der Region zwischen Euphrat und Tigris bereits zwischen 4.000 und 3.000 v. Chr. eine urbane Gesellschaft lebte. Davon zeugen einerseits Monumentalbauten, andererseits weisen Funde wie Rollsiegel, Tontafeln und ähnliches auf eine etablierte Bürokratie hin. Eine im „British Museum“ in London ausgestellte Tontafel aus der Zeit zwischen 3.200 und 3.000 v. Chr. dokumentiert beispielsweise Bierlieferungen.

Derlei Zeugnisse einer frühen Organisation des Beschaffungswesens liegen auch aus Ägypten vor: Aufzeichnungen belegen, dass in dem Land am Nil bereits um 3.000 v. Chr. systematisch Beschaffungsaufgaben durchgeführt wurden. Beispielsweise beim Bau der Pyramiden von Gizeh (ca. 2.650 bis 2.500 v. Chr.) waren bereits einzelne Berufsgruppen gezielt damit beauftragt, den Arbeits- und Materialaufwand auf Papyrus festzuhalten. In Europa nahm die organisierte Beschaffung erst später Form an. Genau genommen etwa um 215 v. Chr., im alten Rom. Erstmals wurden da Verträge zwischen der römischen Regierung und Lieferanten formell ausgehandelt, die die Versorgung der weit verstreuten Truppen des römischen Reiches mit Material sicherstellen sollten.

 In Großbritannien geht die Geschichte des Beschaffungswesens auf Wilhelm den Eroberer (1.028 bis 1.087 n. Chr.) zurück, der eine übersichtliche Methode zur Erfassung seiner Steuereinnahmen suchte. Mit dem Aufstieg des British Empires und seinen kolonialen Bestrebungen entwickelte sich auch das Beschaffungswesen weiter und umfasste ab diesem Zeitpunkt auch Waren und Dienstleistungen.
 

Einkauf und Beschaffungswesen im 18. Jahrhundert
 

1832 erörterte der englische Mathematiker und Philosoph Charles Babbage in seinem Werk „On the Economy of Machinery and Manufactures“ die Notwendigkeit, einen sogenannten „Materials Man“ im Bergbau einzusetzen. Dieser „Materialien-Mann“ sollte für Auswahl, Einkauf und Nachverfolgung aller Güter zuständig sein, die für ein Projekt gebraucht wurden. Heute würde man sagen: Babbage schlug vor, einen Chief Procurement Officer anzustellen.

 1886 gründete die Pennsylvania Railroad die erste Beschaffungsabteilung der Welt, weil das komplexe, weitverzweigte Eisenbahnsystem in den USA nach neuen Wegen in der Beschaffung verlangte. Zwischen 1914 und 1918 war es dann der erste Weltkrieg, der dem Einkauf und dem Beschaffungswesen einiges abverlangte: Waren mussten um den gesamten Globus transportiert werden. Viele Einkäufe wurden ad hoc getätigt – bestellt wurde per Funk oder Telegraf.

 

1932 erschien das Lieferantenverzeichnis erstmals als Buchausgabe
 

1932 fand in Leipzig die Buchmesse statt, bei der das Lieferantenverzeichnis „Wer liefert was“ erstmals als Buchausgabe herauskam. Und das aus gutem Grund: Der Einkauf und das Beschaffungswesen hatten durch den 1. Weltkrieg bzw. durch den Aufbau danach enorm an Fahrt aufgenommen. Allein die Deutsche Reichsbahn bestellte nach Ende des 1. Weltkrieges bis 1925 rund 7.000 neue Lokomotiven, um ihren Fuhrpark wieder auf Vorkriegsniveau zu bringen. Viele Unternehmen suchten zu dieser Zeit Lieferanten und viele Lieferanten suchten Unternehmen. Mit dem Lieferantenverzeichnis „Wer liefert was“ hatten Unternehmen endlich ein gedrucktes Werk zur Hand, mit dem sie gezielt nach den Partnerunternehmen suchen konnten, die sie brauchten.

 
Lieferketten und Ausschreibungswesen gewinnen an Bedeutung
 

In den 1950er Jahren trieben dann weltweit die Regierungen das Beschaffungswesen voran. Die Bedeutung zuverlässiger „Lieferketten“ rückte bei vielen Unternehmen ins Bewusstsein, weil sie es ihnen ermöglichten, in konstanter Qualität zu wachsen. In den 1960er-Jahren wurden der Einkauf und das Beschaffungswesen Sache des Managements: Man führte das Ausschreibungswesen ein. In den 1970er-Jahren fiel der Startschuss für die Just in Time-Fertigung, als der Automobilhersteller Toyota sein neues Produktionssystem einführte. Gleichzeitig steuerten immer mehr Unternehmen ihre Beschaffung zentral.

 Dann ging es Schlag auf Schlag: Das Internet und die Digitalisierung verliehen dem Einkauf und dem Beschaffungswesen einen nie dagewesenen Schub: 1982 wurde europages in Frankreich gegründet (ursprünglicher Name: Eurédit) und veröffentlichte das erste gedruckte Geschäftsverzeichnis mit Lieferanten aus ganz Europa. 1986 erschien das Lieferantenverzeichnis „Wer liefert was“ erstmalig auf CD-ROM.

 In den 1990er-Jahren erkannten immer mehr Unternehmen die strategische Bedeutung der Beschaffung – vor allem bei öffentlichen Aufträgen und in der Schwerindustrie. Mittlerweile wurde die Welt immer vernetzter. Auch „Wer liefert was“ passte sich diesem Wandel an und ging 1995, zwei Jahre vor Google, erstmals unter www.wlw.de online. In den 2000er-Jahren wurden Bestellungen bereits von Computern ausgelöst und die ersten ERP-Systeme setzten sich durch. europages war zu diesem Zeitpunkt bereits in 26 Sprachen verfügbar – und die Website von europages knackte 2006 die Marke von monatlich 2 Millionen Besuchern aus 218 Ländern. Mit den 2010er-Jahren brach die Ära der Chief Procurement Officer (CPOs) an: In vielen Unternehmen wurden „Materialien-Männer“, wie sie einst Charles Babbage für den Bergbau vorschlug, eingesetzt. Diese CPOs haben auch heutzutage nur eine Aufgabe: Sie sind verantwortlich für den Einkauf und die Beschaffung von Waren und Materialien.


Die Zukunft ist digital
 

Von der Tontafel zur digitalen App: Nie waren der Einkauf und das Beschaffungswesen vernetzter als heute. Doch der Weg des Einkaufs ist noch lange nicht am Ende. Beschaffungsportfolios und operative Einkaufsprozesse sind vielfach bereits weitestgehend digitalisiert. Schon jetzt nutzen Beschaffungsprofis innovative Technologien wie künstliche Intelligenz oder Big Data, um in Echtzeit reagieren zu können. Auch Augmented und Virtual Reality könnten künftig eine noch tragendere Rolle spielen, um ortsunabhängig Produkte in Augenschein zu nehmen und so die beste Einkaufsentscheidung zu treffen. Doch eines schaffen diese Technologien nicht: Sie ersetzen keine persönlichen Beziehungen zwischen Einkäufern und Anbietern. Und genau dazu leisten wlw und europages bereits seit vielen Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag und führen zusammen, was zusammengehört: Heute treffen auf beiden Plattformen – seit 2019 unter der gemeinsamen Dachmarke Visable – monatlich rund 3.6 Millionen professionelle Einkäufer aus über 200 Ländern auf rund 3 Millionen Anbieter von Produkten und Dienstleistungen.