Finetrading: Definition
 

Anbieter von Finetrading sind finanzielle Mittler zwischen Auftraggebern und Lieferanten. Konkret übernehmen Finetrader vorerst die Rechnung im Dienste der Beschaffer und bezahlen deren Lieferanten sofort. Die Einkäufer haben dann bis zum vereinbarten Zahlungsziel Zeit, den ausgelegten Betrag an den Dienstleister zu überweisen. Dafür werden ihnen Fristen von bis zu 120 Tagen eingeräumt.

Von Finetrading profitieren beide Seiten:
 

  • Die Lieferanten bekommen ihr Geld schnell und können deshalb Rabatte gewähren.
  • Die Beschaffer schonen ihre Liquiditätsreserven und müssen im besten Fall erst zahlen, wenn sie mit der georderten Ware oder Dienstleistung Gewinn gemacht haben.

Steigende Rohstoffpreise: Kann Finetrading als Maßnahme helfen?
 

In Krisenzeiten oder bei besonders starker Nachfrage erhöhen sich erfahrungsgemäß die Beschaffungskosten teils erheblich. Das gilt beispielsweise für Rohstoffe, wenn deren Nachschub nicht gesichert, in nur geringen Mengen verfügbar ist oder nur unregelmäßig geliefert werden kann. Die Folge sind steigende oder stark schwankende Preise. Besonders ungünstig ist das für Unternehmen mit einem saisonal ausgerichteten Geschäftsmodell, weil sie nur zu bestimmten Zeiten einkaufen und produzieren. Sind dann Ausgaben für benötigtes Material besonders hoch, fehlt es womöglich an ausreichendem betrieblichen Umlaufvermögen.

In dieser Situation kann es sinnvoll sein, auf Finetrading zurückzugreifen. Denn dadurch, dass die Dienstleister die Rechnungen zunächst selbst bezahlen sowie auch größere Sammelbestellungen für mehrere Kunden aufgeben können, erhalten sie von den Lieferanten vergleichsweise günstige Konditionen (z. B. Skonti und Mengenrabatte).

Die reichen sie zumindest teilweise an ihre Kunden weiter, sodass die Transaktion auch für diese preiswerter wird. Ein weiterer Vorteil für die Klienten: Da sie beim Finetrading ein verlängertes Zahlungsziel eingeräumt bekommen, können Sie besser Phasen mit niedrigen Kursen nutzen und auf Vorrat einkaufen.
 

Weitere Einsatzmöglichkeiten des Finanzierungsinstruments
 

Grundsätzlich ist Finetrading für Unternehmen interessant, die von längeren Zahlungszielen profitieren und ihre Liquidität bewahren wollen. Eine wichtige Voraussetzung für dieses Finanzierungsinstrument ist in der Regel eine gute Bonität. Je besser diese ist, desto geringer fallen die Gebühren aus. Auf deren Höhe haben außerdem die Häufigkeit und der Wert der Aufträge Einfluss: Mit steigendem Umsatz sinken die Kosten.

Damit ist Finetrading nicht allein bei hohen Rohstoffkosten attraktiv. So profitieren (auch kleine und mittlere) Unternehmen generell davon, wenn sie …
 

  • keine Kredite bei Banken aufnehmen möchten.
  • Perioden mit günstigen Preisen nutzen wollen.
  • kurzfristig Material bestellen müssen.
  • oft größere Aufträge annehmen und dafür hohe Etats benötigen.
  • Liquidität für außergewöhnliche Belastungen in der Hinterhand brauchen.

Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Gebühren für Finetrading gemeinhin höher ausfallen als für übliche Gewerbekredite. Das kann zum Problem werden, wenn trotz längerem Zahlungsziel in der vereinbarten Frist nicht ausreichend Gewinn erwirtschaftet werden kann: Der teurere Finetrader muss trotzdem bezahlt werden. Deshalb sollten Unternehmen genau kalkulieren, ob die günstigen Konditionen beim Einkauf sowie der Verzicht auf bankenübliche Sicherheiten die Gebühren fürs Finetrading (mehr als) wettmachen.

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