Sanktionen gegen Russland beschränken Im- und Exporte
 

Auf den Krieg in der Ukraine reagieren die USA, die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) sowie weitere Länder mit wirtschaftlichen Sanktionen, die gegen den Aggressor Russland gerichtet sind. Zu den Maßnahmen gehören weitreichende Einschränkungen der Handelsbeziehungen. Somit ist der Austausch von Waren in beiden Richtungen weitgehend zum Erliegen gekommen; Importe und Exporte finden kaum noch statt.

Das trifft nicht nur die russische Ökonomie hart. Auch viele Unternehmen der Länder, die die Sanktionen verhängen, leiden darunter. Sie können weder ihre Produkte nach Russland verkaufen noch Rohstoffe oder Fabrikate von dort beziehen. Dabei schien sich die Situation nach den Beeinträchtigungen durch die Corona-Pandemie wieder zu erholen.

Beispiel: Der Wert des deutschen Außenhandels mit Russland stieg 2021 im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel (34 Prozent) an, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Das bedeutet in konkreten Zahlen, dass zwischen beiden Staaten zuletzt Waren im Wert von rund 59,8 Milliarden Euro ausgetauscht wurden. Damit ist 2022 wohl kaum zu rechnen. Je länger der Konflikt und damit die Sanktionen andauern, desto geringer wird das Gesamtvolumen ausfallen.

Ähnliches gilt für den Warenaustausch mit der angegriffenen Ukraine. Der globale Im- und Export mit dem Land ist bis auf Weiteres quasi ausgesetzt. Ein Ende des Konflikts allein würde es noch nicht ermöglichen, an alte Verhältnisse anzuknüpfen. An erster Stelle stünde ein aufwendiger Wiederaufbauprozess des überfallenen und weitgehend lahmgelegten Landes.


Das bedeutet der Krieg für die deutsche Wirtschaft
 

Viele Unternehmen in Deutschland spüren die Auswirkungen der Sanktionen. Das betrifft nicht nur jene, die selbst Handel mit Russland betreiben oder dort produzieren. Allein die weltweit ohnehin schon hohen Preise für Energieträger wie Erdöl und Erdgas sind wegen des Kriegs in der Ukraine weiter angestiegen. Auch die Versorgung mit anderen strategischen Rohstoffen ist eingeschränkt und deshalb teurer geworden.

So gibt es Lieferengpässe bei ukrainischen Kabelsätzen für die hiesige Automobilindustrie. In der Folge musste beispielsweise VW seine Produktion teilweise einstellen. Nach Beobachtungen des Bundesverbands der Deutschen Industrie e. V. (BDI) herrscht etwa auch Mangel an Metallen für die Elektromobilität. So bestehe bei Nickel eine hohe Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft, die 44 Prozent ihres Bedarfs aus russischen Quellen decke. Bei Titan und Palladium sei die Situation vergleichbar.

Diese und ähnliche negative Folgen betreffen in erster Linie deutsche Unternehmen, die Erzeugnisse aus Russland, der Ukraine sowie dem ebenfalls sanktionierten Belarus einführen. Der Import von dort macht immerhin 3,1 Prozent (37 Mrd. Euro) von sämtlichen Importen der hiesigen Wirtschaft aus. Demgegenüber haben deutsche Exporte in die drei Länder mit 2,4 Prozent (33,5 Mrd. Euro) einen geringeren Stellenwert, so der BDI. Damit seien die Folgen eines Ausfuhr-Stopps in dieser Region eher „überschaubar”.
 

LKW-Stillstand: Fehlende LKW-Fahrer führen zum Stillstand in der Lieferkette

Wirtschaftliche Folgen für Europa und die ganze Welt
 

Die Sanktionen führen global zu Mangel und höheren Preisen. Beispiel Getreide: Die Ukraine und Russland erzeugen rund ein Drittel des internationalen Bedarfs an Weizen. Der müsste im März für die nächste Ernte neu ausgebracht werden. Ob das den Bauern in der Ukraine unter Kriegsbedingungen überhaupt gelingt, ist fraglich. Das gilt auch für den Anbau von Mais, ebenfalls ein weltweit wichtiger Rohstoff aus der Region, sowie für viele andere landwirtschaftliche oder industrielle Erzeugnisse.

Neben den bereits angesprochenen Folgen – Engpässe und Kostenanstieg – könnte der Krieg noch größere Kreise ziehen. Ein mögliches Szenario ist die sogenannte Deglobalisierung. Sie würde dazu führen, dass der Handel zwischen dem Westen und Russland (plus China) relativ zum Bruttoinlandsprodukt sinkt. Anders ausgedrückt: Der Markt für westliche Unternehmen zieht sich zusammen und wird kleiner. Das wäre ein großes Problem für alle Länder, die ihre Wirtschaft stark auf die Globalisierung abgestimmt haben. Dazu zählt auch Deutschland.

Fragile Lieferketten: Die aktuellen Probleme

Gesperrter Luftraum

Bereits die Folgen der Corona-Pandemie haben die Krisenanfälligkeit zahlreicher Lieferketten demonstriert. Durch den Krieg verschlimmert sich die logistische Lage weiter, wie der Luftverkehr exemplarisch zeigt. So ist der EU-Luftraum für russische Airlines gesperrt, während westliche Gesellschaften das russische Hoheitsgebiet nicht überqueren dürfen. Diese Situation erfordert Umwege, die zu mehr Verbrauch von Treibstoff führen und deshalb die Reichweiten einschränken. Lösen lässt sich das nur, indem jede Maschine für lange Strecken weniger Fracht aufnimmt, um leichter zu werden. Das wiederum erfordert mehr Flüge. Unterm Strich bedeutet das: längere Wege, steigende Kerosinkosten, verringerte Kapazitäten.

Lkw-Engpässe

Teilweise gilt das auch für den Transport auf den Straßen. Allerdings kommt in diesem Bereich noch ein weiteres Problem hinzu, das – nicht nur in Deutschland – schon seit längerer Zeit besteht, sich jetzt aber verschärft: der Mangel an Fahrern. Von denen stammen viele aus der Ukraine, die oft bei polnischen Fuhrunternehmen arbeiten. Darauf weisen der Europäische Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure AG (E.L.V.I.S.) und der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) in einer gemeinsamen Erklärung hin. Wegen des Kriegs und der Mobilmachung in der Ukraine kehrt demnach ein Großteil der Fahrer in ihre Heimat zurück.

Klaus Meyer, Vorsitzender der Fachkommission Logistik und Mobilität im BVMW, sagt dazu: „Wir reden hier von geschätzt 100.000 ukrainischen Fahrern, die … nicht mehr zur Verfügung stehen könnten. Das käme einem Aderlass gleich, der sich kaum kompensieren ließe.“

Gestörte Zugstrecken

Lieferketten auf der Schiene kämpfen derweil mit Sperrungen auf der 11.000 Kilometer langen Verbindung für den Güterverkehr zwischen China und Europa. Ein großer Teil der sogenannten Eisernen Seidenstraße führt über russisches Gebiet und ist nicht passierbar. Das betrifft zahlreiche Gütertransporte, vor allem im Dienste der chemischen Industrie.

Schifffahrt: Erste Auswirkungen

Weniger angespannt ist die Situation noch auf dem Wasser. Viele Wege der internationalen Schifffahrt führen weiträumig an der Krisenregion vorbei. Dennoch spürt man im Hamburger Hafen erste Auswirkungen auf den Umschlag. Der Containerverkehr mit Russland ist dort eingestellt, viele Reedereien haben ihre diesbezüglichen Transporte gestoppt. Und analog zu LKW-Transporten fallen viele ukrainische, aber auch russische Seeleute aus.