Nachhaltige Lebensmittelproduktion: Was bedeutet das?

Gesunde Ernährung umweltschonend herstellen – dafür steht nachhaltige Lebensmittelproduktion. Angesichts der zunehmenden Weltbevölkerung wird dieses Thema immer wichtiger. Im Mai 2020 gab es rund 7,8 Milliarden Menschen. Bis 2050 erwarten die Vereinten Nationen einen Anstieg auf etwa 9,7 Milliarden.

Schon heute belastet die Versorgung – also Anbau, Herstellung und Transport von Lebensmitteln – sowohl das Ökosystem als auch die Gesellschaft. Das soll sich ändern. So unterstützt unter anderem die Europäische Kommission den Schwenk hin zu nachhaltigen Lebensmitteln. Mit einer Reihe von Gesetzen und Rechtsvorschriften will sie diese Ziele bis 2030 erreichen:
 

  • 50 Prozent weniger Pestizide
  • 50 Prozent weniger antimikrobielle Mittel für Nutztiere und Aquakultur im Handel
  • 25 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen sollen ökologisch bewirtschaftet werden
  • 20 Prozent weniger Düngemittel

Auch die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) fühlt sich dem Thema nachhaltige Lebensmittel verpflichtet. Sie sieht Handlungsbedarf in den Bereichen:
 

  • Rohstoffmanagement
  • Lieferkettenmanagement
  • Energieeffizienz
  • Abfallvermeidung in der Herstellung
  • soziales Engagement mit den Kunden

In diesem Sinne hat die BVE mehrere Aktivitäten und Projekte gestartet. Die Vereinigung betont allerdings: „Die Verantwortung zur Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens liegt bei den Unternehmen selbst.“ Das kann bedeuten, dass diese ganze Geschäftsmodelle transformieren müssen. Eine große Aufgabe.

Unterstützung dabei können Unternehmen seitens der Wissenschaft finden. Beispielsweise beim Leibniz-Forschungsverbund „Nachhaltige Lebensmittelproduktion und gesunde Ernährung“. Darin engagieren sich 14 Leibniz-Einrichtungen aus der Agrar- und Ernährungsforschung. Sie arbeiten beispielsweise zu nachhaltigen Landnutzungs- und Ernährungssystemen, Geschmacksforschung oder einer digital gestützten Bewirtschaftung von Böden.

Lebensmittelverschwendung entgegenwirken

Das große Ziel auf dem Weg zur nachhaltigen Versorgung: Der sogenannte ökologische Fußabdruck der Lebensmittelsysteme soll kleiner werden. Dabei spielt auch folgender Wert eine Rolle.

Sie gehen verloren auf dem Weg zu den Endverbrauchern oder werden von diesen weggeschmissen. Der hohe Grad an Verschwendung passt nicht zum Ziel der Nachhaltigkeit. Wie können Unternehmen Lebensmittelverschwendung beziehungsweise Lebensmittelverluste eindämmen?

  • In der Landwirtschaft beispielsweise werden Teile der Ernte untergepflügt oder weggeworfen, weil Obst und Gemüse Macken haben oder keine ausreichenden Preise erzielen. Diese Abfälle könnten verstärkt als Tierfutter und Dünger oder in Biogasanlagen verwertet werden.
  • Lebensmittelhandwerk und -industrie entsorgen pro Jahr rund zwei Millionen Tonnen Lebensmittel. Dagegen wären digital gesteuerte Systeme hilfreich, die die Herstellung und den Transport kontrollieren oder das Konsumverhalten der Verbraucher vorhersagen. Ebenfalls sinnvoll: eine Prüfung, ob die hohen Qualitätsanforderungen an Rohwaren noch zeitgemäß sind.
  • Der Lebensmittelhandel nimmt Produkte teils aus dem Verkauf, deren Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist. Sinnvoller wäre es, diese Produkte zum Stichtag deutlich zu kennzeichnen und günstiger anzubieten.

Diese und weitere Vorschläge gegen die Lebensmittelverschwendung in der Wirtschaft macht das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland.

Auch die BVE und der Lebensmittelverband Deutschland beschäftigten sich gemeinsam mit dem Thema auf ihrer Veranstaltung „Zukunft schmeckt“ während der digital abgehaltenen Internationalen Grünen Woche 2021. Unter dem Titel „Cook & Talk: Im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung – Beiträge der Lebensmittelhersteller“ berichteten Unternehmen, wie sie mit der Problematik umgehen.
 

Wie klimafreundliche Ernährung gelingen kann

  • Für nachhaltige Lebensmittel müssen Unternehmen oft neue Wege gehen. Ähnlich wie bei der Digitalisierung geht es hier teils um eine regelrechte Transformation. Sämtliche Herstellungsschritte müssen auf ihre Nachhaltigkeit hin überprüft werden – vom Saatgut über soziale Arbeitsbedingungen, den Umgang mit Tieren bis hin zum Transport sowie zur Aufklärung der Verbraucher.

Das ist mit ehrgeizigen Zielen verbunden. Beispiel Nestlé: Der Konzern möchte bis 2050 klimaneutral sein und seinen CO2-Ausstoß bereits bis 2030 halbieren. Dafür will er unter anderem stärker auf pflanzenbasierte Produkte setzen und die Essgewohnheiten der Konsumenten untersuchen. Ein Beispiel für die entsprechenden Maßnahmen stellte er im Rahmen von „Zukunft schmeckt” vor. So hat die Nestlé-Tochter Garden Gourmet die vegane Fischalternative „Thun-Visch” als nachhaltiges Lebensmittel entwickelt.

Klimalabel für Lebensmittel?

Immer mehr kleine wie große Unternehmen engagieren sich für nachhaltige Lebensmittel. Doch woran sollen Verbraucher diese Produkte erkennen? Darüber hat der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) nachgedacht und das Ergebnis Bundesernährungsministerin Julia Klöckner vorgestellt. In dem Gutachten geht es auch um ein Klimalabel für nachhaltige Lebensmittel.

Die Idee ist nicht neu – es gibt bereits einige entsprechende Sticker. Der WBAE-Vorschlag ist allerdings die erste Lösung, die sämtliche Nachhaltigkeitsaspekte eines Produkts berücksichtigt. Dazu sagte BVE-Geschäftsführerin Stefanie Sabet: „Um den Umweltfußabdruck eines Lebensmittels zu ermitteln, muss sein gesamter Lebenszyklus vom Acker oder Stall bis zum Teller betrachtet werden.“ Auf diese Weise wäre ein vergleichender Maßstab geschaffen. Ob er kommt, ist noch unklar.