Baufirmen geht das Material aus – Baustoffe teuer wie nie

Der Höhepunkt der Corona-Pandemie scheint Anfang des Jahres 2022 zwar überschritten zu sein, doch Baufirmen in ganz Europa kämpfen weiterhin mit Materialmangel und erheblichen Preissteigerungen. Wie das Statistische Bundesamt im Februar 2022 mitteilte, stiegen die Erzeugerpreise für einzelne Baustoffe wie Holz und Stahl im Jahresdurchschnitt 2021 so stark wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949. Bauholz verteuerte sich beispielsweise um 61,4 Prozent, Konstruktionsvollholz sogar um 77,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt. Auch Betonstahl wurde mehr als 50 Prozent teurer.

Eine Entspannung ist auch 2022 nicht in Sicht. Immerhin ist der Materialmangel laut einer Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo in der Bauindustrie leicht zurückgegangen. Im Hochbau meldeten im Januar gut 25 Prozent der Befragten Lieferschwierigkeiten, nach 31 Prozent im Dezember 2021. Auch im Tiefbau entspannte sich die Lage etwas. Nur noch 20 Prozent der Unternehmen litten unter Beeinträchtigungen.

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) rechnet dennoch damit, dass Baustoffe wie Holz und Stahl weiterhin teuer bleiben werden – allerdings werde es mutmaßlich geringere Preissteigerungen geben als 2021. Auch rund 60 Prozent der vom Ifo-Institut befragten Betriebe gaben zuletzt an, zumindest in der ersten Jahreshälfte 2022 noch mit Preiserhöhungen zu rechnen.

 

Kostenloses Live - Webinar

Einfach Krisen bewältigen: Erfahren Sie, wie Sie durch Krisenmanagement, Lieferunterbrechungen oder hohen Rohstoffpreisen entgegenwirken können.  
 


Die Produktion wurde aufgrund von Corona heruntergefahren

Der Rohstoffmangel ist ein wesentlicher Faktor in der aktuellen Entwicklung. So fehlt es neben Stahl und Holz auch an Dämm- und Kunststoffen. Engpässe befürchten auch die Hersteller von Schrauben. Die Hauptschuld daran tragen die Corona-Krise und ihre Folgen. Aufgrund der Pandemie kam es im ersten Halbjahr 2020 zu einem Nachfrageeinbruch, Produktionskapazitäten wurden abgesenkt. Als die Konjunktur weltweit wieder Fahrt aufnahm, konnte das Angebot die Nachfrage nicht stillen. Zudem haben einige Unternehmen, vor allem aus den USA und China, weitaus mehr eingekauft, als sie aktuell benötigen. Dieses Horten von Beständen verstärkt den Effekt noch. Zudem verschärft der Mangel an Containern im Seetransport aus Asien die angespannte Lage für die europäischen Baufirmen.

Und natürlich tragen auch die höheren Energiekosten zu dem deutlichen Preisanstieg bei. Nicht nur der Treibstoff für Baufahrzeuge wird immer teurer, auch das mittelfristige Ziel zu CO2-neutralen Herstellungsprozessen, etwa im Bereich der Zementindustrie, verteuern die Baustoffe. Dazu kommt noch das Auslaufen der befristeten Mehrwertsteuerabsenkung. Auch der Tarifabschluss vom vergangenen November sowie die geplante Mindestlohnerhöhung auf zwölf Euro pro Stunde machen sich bemerkbar. Beide Maßnahmen sorgen für höhere Gehälter.
 

Existenzgefährdende Situation – keine Lösung in Sicht

Für manche Betriebe ist die Situation existenzgefährdend: Laut Verbänden drohen Immobilien- und Wohnungsunternehmen Insolvenzen. So standen einige Betriebe vor der paradoxen Situation, dass sie sich vor Aufträgen kaum retten konnten, aber dennoch Kurzarbeit anmelden mussten, weil es an Materialien mangelte und die Angestellten schlichtweg nicht arbeiten konnten. Hinzu kommt: Materialpreiserhöhungen lassen sich für Bauunternehmen in vielen Fällen nicht an den Kunden weitergeben, weil in den Verträgen selten Preisanpassungsklauseln enthalten sind.

Ein kurzfristiger Ausweg aus dieser Situation ist nicht in Sicht. Mögliche Exportverbote für bestimmte Bauprodukte könnten andere Länder dazu ermutigen, ihrerseits den Export von Materialien zu verbieten, auf deren Import europäische Länder angewiesen sind.

Lieferengpässe auch in anderen Industriezweigen

Die Bauwirtschaft ist nicht der einzige Industriezweig, der sich seit Sommer 2021 mit Lieferengpässen konfrontiert sieht. Zwischenzeitlich meldeten industrieübergreifend fast 80 Prozent der Hersteller längere Vorlaufzeiten für ihre Rohmaterialien. So konnten beispielsweise Hersteller von Haushaltsgroßgeräten nicht mit der Produktion fortfahren, da Teile von Zulieferern fehlten. Die Papierindustrie hat auch Anfang 2022 noch mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen. Autohersteller haben ihre Kapazitäten heruntergefahren, da Computerchips und andere Elektronikbauteile weiterhin nur schwer zu bekommen sind. Und auch bei Fahrrädern und Motorrollern übersteigt die Nachfrage derzeit das Angebot.
 

Einkäufer-Newsletter abonnieren

Ob Branchen-Insights, Praxistipps, aktuelle Whitepaper oder anstehende Webinare für den B2B-Großhandel: wlw ("Wer liefert was") hält Sie up-to-date: