Baufirmen geht das Material aus – Baustoffe teuer wie nie

Der Höhepunkt der Corona-Pandemie ist Mitte des Jahres 2021 mutmaßlich längst überschritten, doch Baufirmen haben plötzlich mit bisher unbekanntem Materialmangel zu kämpfen. Es fehlt vor allem an Stahl und Holz sowie an Dämm- und Kunststoffen. Engpässe befürchten auch die Hersteller von Schrauben. Die Folge: Die Lieferzeiten haben sich vervielfacht, und die Preise befinden sich bereits auf Rekordniveau. Der Holzpreis verteuerte sich im Vergleich zum Vorsommer um rund 400 Prozent, Betonstahl legte immerhin um fast 30 Prozent zu. Dämmstoffe wie Styropor wurden allein im April 2021 um rund 50 Prozent teurer.

Die Produktion wurde aufgrund von Corona heruntergefahren

Die Hauptschuld für diese Misere ist trotz der zeitlichen Verzögerung dem Virus zuzuschreiben. Aufgrund der Pandemie kam es im ersten Halbjahr 2020 zu einem Nachfrageeinbruch, Produktionskapazitäten wurden abgesenkt. Als die Konjunktur weltweit wieder Fahrt aufnahm, konnte das Angebot die Nachfrage nicht stillen. Zudem haben einige Unternehmen, vor allem aus den USA und China, weitaus mehr eingekauft, als sie aktuell benötigen. Dieses Horten von Beständen verstärkt den Effekt noch. Zudem verschärft auch der Mangel an Containern im Seetransport aus Asien die angespannte Lage.
 

Existenzgefährdende Situation – keine Lösung in Sicht

Für manche Betriebe ist die Knappheit an Baumaterial existenzgefährdend, laut Verbänden drohen Immobilien- und Wohnungsunternehmen Insolvenzen. So stehen einige Betriebe vor der paradoxen Situation, dass sie sich vor Aufträgen kaum retten können, aber dennoch Kurzarbeit anmelden müssen, weil es an Materialien mangelt und die Angestellten schlichtweg nicht arbeiten können. Hinzu kommt: Materialpreiserhöhungen lassen sich für Bauunternehmen in vielen Fällen nicht an den Kunden weitergeben, weil in den Verträgen selten Preisanpassungsklauseln enthalten sind.

Ein kurzfristiger Ausweg aus dieser Situation ist nicht in Sicht. Mögliche Exportverbote für bestimmte Bauprodukte könnten andere Länder dazu ermutigen, ihrerseits den Export von Materialien zu verbieten, auf deren Import Deutschland angewiesen ist. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts stellt die Materialknappheit ein „ernsthaftes Problem“ für die deutsche Wirtschaft dar. „Dieser neue Flaschenhals könnte die Erholung der Industrie gefährden“, sagt Klaus Wohlrabe, der stellvertretende Leiter des ifo-Zentrums für Makroökonomik. Knapp die Hälfte der im April 2021 befragten Industriefirmen hätten von Engpässen berichtet. Das sei der mit Abstand höchste Wert seit 1991.

Lieferengpässe auch in anderen Industriezweigen

Die Bauwirtschaft ist nicht der einzige Industriezweig, der sich im Sommer 2021 mit Lieferengpässen konfrontiert sieht. Mittlerweile melden industrieübergreifend fast 80 Prozent der Hersteller längere Vorlaufzeiten für ihre Rohmaterialien. So können beispielsweise Hersteller von Haushaltsgroßgeräten nicht mit der Produktion fortfahren, da Teile von Zulieferern fehlen. Autohersteller fahren Kapazitäten herunter, da Elektronikchips und andere Elektronikbauteile kaum zu bekommen sind. Auch bei Fahrrädern und Motorrollern übersteigt die Nachfrage derzeit das Angebot.