ifeu-Studie: Nur zwölf Prozent der eingesetzten Rohstoffe stammen aus dem Recycling

Primärrohstoffe sind endlich. Diese Erkenntnis ist nicht neu, daher wird seit Jahrzehnten versucht, über das Recycling von Abfällen sowie die Wiedernutzung von Gütern die Verwendung der Primärrohstoffe zu reduzieren. Auch aus Gründen des Klimaschutzes wird der Ausbau dieser Kreislaufwirtschaft forciert.

Doch der Status quo ist auch im Jahr 2021 noch recht ernüchternd: Derzeit werden in Deutschland etwa 1,3 Milliarden Tonnen Rohstoffe verbraucht. Dies entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 16 Tonnen pro Jahr. Nach einer ifeu-Studie stammen bisher erst zwölf Prozent der eingesetzten Rohstoffe aus dem Recycling. Deutschland liegt damit im europäischen Durchschnitt. Im Vergleich zum Jahr 2010 ist das ein Anstieg von nur einem Prozentpunkt. Und dieser Anteil ließe sich künftig nur deutlich steigern, wenn der Rohstoffverbrauch insgesamt reduziert werden würde.

Ob recycelt wird oder nicht, hängt maßgeblich von der Materialgruppe ab. Fossile Rohstoffe werden in der Regel verbrannt, hier liegt die genutzte Sekundärrohstoffmenge im Verhältnis zur Menge aller genutzten Rohstoffe lediglich bei zwei Prozent. Bei Metallen, die sehr gut recycelt werden können, beträgt die Quote immerhin 32 Prozent.
 


Begrenztes Steigerungspotenzial bei der Kreislaufwirtschaft

Eine zunehmende Nutzung von Rezyklaten und Sekundärrohstoffen kann laut der Studie in einem erheblichen Umfang dazu beitragen, Primärrohstoffe zu ersetzen und somit unerwünschte Umweltbelastungen zu reduzieren. Doch die Kreislaufwirtschaft habe auch ihre Grenzen: Würden alle zur Wiederverwertung verwendbaren Abfälle genutzt, könnte die Quote der Sekundärrohstoffe auf 22 Prozent steigen – dies sei das theoretisch maximale Potenzial.

Denn zum einen eignen sich zahlreiche Rohstoffe nicht oder nur sehr begrenzt für ein Recycling, beispielsweise Biomasse, die als Nahrungs- oder Futtermittel verbraucht wird. Zum anderen sind Rohstoffe oft langfristig in Produkten gebunden und stehen somit nicht für ein Recycling zur Verfügung, wie etwa Metalle und mineralische Rohstoffe in Gebäuden.

NABU für eine Reduzierung des Rohstoffverbrauchs

Aufgrund dieser Erkenntnisse fordert der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU), dass die Menge an eingesetzten Rohstoffen insgesamt reduziert werden muss. Nur so ließen sich die Klimaziele erreichen und die Artenvielfalt bewahren. Die Energiewende sei ein entscheidender Treiber für diese Ziele: Wenn fossile Rohstoffe in beträchtlichem Maße durch erneuerbare Energien ersetzt würden, könnte der gesamte Rohstoffverbrauch in Deutschland bis 2030 um etwa ein Drittel gemindert werden. Allein dadurch würde sich die Recyclingquote auf 16 Prozent erhöhen, selbst wenn nicht mehr Abfälle als heute recycelt werden würden. Weitere Ansätze für eine bessere Kreislaufwirtschaft seien langlebige und reparierbare Produkte, ein generell nachhaltigerer Konsum und rohstoffsparende Produktionen.