Rohstoffmangel als zentrale Herausforderung im Einkauf 

Den Bundesbürgern werden zu Weihnachten 2021 viele Wünsche unerfüllt bleiben, weil der Handel nicht liefern kann. Der Grund ist ein Mangel an Rohstoffen, der zahlreiche Branchen betrifft. Das bemerkt der Einkauf bereits seit längerer Zeit. Dies zeigt unter anderem der „BME Pulse Check Q4/2021“, den der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) am 5. Oktober veröffentlichte. Darin flossen die Rückmeldungen von 170 seiner Mitglieder ein. 

Demnach stellt nicht mehr die Corona-Pandemie die größte Herausforderung dar, sondern die mittlerweile indirekt daraus resultierende Rohstoffknappheit. Diese machen mehr als 70 Prozent der antwortenden BME-Betriebe für Lieferengpässe verantwortlich. 

Das ist für Wirtschaftsbetriebe gerade in der Vorweihnachtszeit sehr bitter. Warum, das beschreibt Gundula Ullah, Vorstandsvorsitzende des BME: „Das letzte Quartal des Kalenderjahres ist für viele Unternehmen im Hinblick auf Umsatz und Gesamtergebnis sehr wichtig. Im Jahresendgeschäft lassen sich schwächere Monate sowie coronabedingte finanzielle Einbußen durch Kampagnen wie beispielsweise ‚Black Friday‘, Abverkäufe oder Sonderangebote kompensieren.“ Doch ohne Produkte und Material ist das nur eingeschränkt möglich. 

Laut BME Pulse Check ergab sich hinsichtlich der Effizienz der Sourcing-Aktivitäten für das Jahresendgeschäft ein „durchwachsenes Bild“: Als „sehr effizient“ bezeichneten sie nur vier Prozent der Befragten, als „gar nicht effizient“ sieben Prozent. Die weiteren Unternehmen konnten ihre Bedarfe für die letzten Monate des Jahres „einigermaßen effizient decken“. 

Das hat weitreichende Folgen: Die sogenannten Wirtschaftsweisen erwarten, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um nur 2,7 Prozent wachsen wird. Zwar habe es im Sommer eine Erholung gegeben, aber diese werde nun durch „vielfältige angebotsseitige Engpässe gedämpft“. Für 2022 sagen die Ökonomen ein Wachstum von 4,6 Prozent vorher. Gleichzeitig sehen sie hier allerdings noch viele Unsicherheiten. 

Das Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage führt zu einem weiteren Problem: Die Preise steigen an. So meldeten mehr als zwei Drittel der Teilnehmer an der BME-Umfrage, dass sich die Beschaffungskosten für Waren zum Jahresendgeschäft „im Vergleich zum Vorjahr signifikant erhöht haben“. 

Diese Waren könnten zu Weihnachten knapp werden 

Unter den Lieferengpässen leiden viele Unternehmen quer durch alle Branchen. Besonders häufig schlägt der Chip-Mangel durch. Die schlechte Versorgungslage betrifft bekanntermaßen die Autoindustrie, die diese IT-Bauteile vor allem für die vielen smarten Funktionen ihrer Modelle benötigt. Doch auch andere Sparten leiden darunter: 
 

  • Unterhaltungselektronik (​​Spielekonsolen, Handys oder Smartwatches)
  • Haushaltsgeräte (Geschirrspüler oder Waschmaschinen)

Darüber hinaus sind auch 96 Prozent der Fahrradhändler in Deutschland von den Lieferengpässen betroffen, wie Untersuchungen von Klaus Wohlrabe vom Wirtschaftsforschungsinstitut ifo zeigen. Bei Spielzeughändlern seien es sogar 100 Prozent. Der Grund laut Wohlrabe: „Die weltweite Logistik ist aus dem Takt geraten.“ 

Nachschubprobleme beklagt ebenfalls die Buchbranche, die unter Papiermangel leidet. Und auch weihnachtliche Dekoartikel sind momentan schwer zu bekommen. 

 

Strategien zur zeitgerechten Warenversorgung 

An den globalen Gründen für die Lieferengpässe kann der hiesige Einkauf nichts ändern. Er kann  seine Beschaffungsstrategie den Umständen allerdings anpassen. Das bedeutet für das Weihnachtsgeschäft und die folgenden Monate vor allem: 
 

  • Versorgung detailliert planen 
  • alternative Bezugsquellen suchen 
  • Waren und Vorprodukte frühzeitig bestellen 
  • Lagerbestände aufbauen 

Im Vorteil sind hier Unternehmen, die bereits digital aufgestellt sind. Lassen diese beispielsweise ihre Supply-Chain-Prozesse über zentrales Enterprise Ressource Planning (ERP) laufen, fällt ihnen die Abstimmung mit ihren Lieferanten leichter. So ist es mit diesem elektronischen System zur Nachschubkalkulation einfacher, im gegenseitigen Austausch der Stakeholder Lieferengpässe vorherzusagen und sich dahingehend abzustimmen. 

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