EMI: Kennzeichen für die wirtschaftliche Entwicklung
 

Der Einkaufsmanager-Index (EMI) ist einer der wichtigsten Indikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung. Er basiert auf einer Befragung von 400 Industrieunternehmen in Deutschland und wird aus Faktoren wie dem Auftragseingang, der Produktionsleistung, dem Lagerbestand, den tatsächlichen Lieferungen sowie der Beschäftigungsanzahl gebildet. Dadurch lassen sich stets aktuelle Informationen über die Aktivitäten der Industrie gewinnen.

Zudem verrät der EMI Veränderungen am BIP (Bruttoinlandsprodukt). Er orientiert sich damit stark am US-amerikanischen PMI (Purchasing Managers Index), der seit 1931 monatliche Daten zur Wirtschaftsentwicklung in den USA sammelt und auswertet.

EMI: Die Entwicklung seit Juni 2020 für Deutschland und Europa
 

Der Einkaufsmanager-Index (EMI) für die verarbeitende Industrie in Deutschland betrug im Juni dieses Jahres 52 Punkte und erreichte damit ein 23-Monatstief. Im Juni 2020 lag der Wert coronabedingt allerdings mit 45,2 noch deutlich darunter. Nach einem starken Aufschwung Mitte 2021, als sich der Index über Monate bei etwa 65 Punkten eingependelt hatte, ging es stetig bergab.

Allerdings ist die Situation aus dem Juni 2022 noch keineswegs besorgniserregend: Denn ein Wert von 50 gilt als neutral, ein Wert von über 50 Punkten spricht für eine steigende und ein Wert von unter 50 Punkten für eine rückläufige Industrieproduktion.
 


EMI der Euro-Zone mit der gleichen Tendenz
 

Der EMI für die gesamte Euro-Zone befindet sich im Juni 2022 etwa auf dem Niveau des Sommers 2020. Er weist momentan noch 52,1 Punkte aus, sinkt jedoch weiterhin stetig. Der Index basiert auf einer Befragung von rund 3.000 Industrieunternehmen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland.

Zwar spricht ein Wert von über 50 weiterhin für eine steigende Industrieproduktion in der Euro-Zone, doch im Vergleich zum historischen Höchststand des EMI von 60,6 Punkten Anfang 2018, ist der Wert deutlich niedriger.

Niederlande top, Polen flop
 

Wer auf die einzelnen Länder der Euro-Zone schaut, kann anhand des EMI unterschiedliche Entwicklungen feststellen. Die Niederlande schneiden mit einem Wert von 55,9 derzeit am besten ab, Polen kommt hingegen nur auf 44,4 Punkte. Die Auflistung der Länder und der gesamten Euro-Zone nach Indexpunkten vom Juni 2022 laut Markit im Überblick: 
 

  1. Niederlande                                (55,9 Punkte)
  2. Irland                                             (53,1 Punkte)
  3. Großbritannien                          (52,8 Punkte)
  4. Spanien                                         (52,6 Punkte)
  5. Euro-Zone                                    (52,1 Punkte)
  6. Deutschland                                (52,0 Punkte)
  7. Frankreich                                    (51,4 Punkte)
  8. Griechenland                              (51,1 Punkte)
  9. Italien und Russland                (50,9 Punkte)
  10. Tschechien                                  (49,0 Punkte)
  11. Türkei                                             (48,1 Punkte)
  12. Polen                                               (44,4 Punkte)
     

Gründe für den Einbruch: Lieferengpässe und Unsicherheit im Energiesektor
 

Die aktuelle wirtschaftliche Unsicherheit ist in erster Linie auf den Krieg in der Ukraine zurückzuführen. Als Reaktion auf den russischen Angriff beschloss Deutschland den schrittweisen Ausstieg aus dem russischen Handel mit Energierohstoffen wie Erdgas und Rohöl. Aktuell ist die Abhängigkeit von russischen Energieträgern hierzulande jedoch groß, sodass vor allem energieintensive Branchen um ihre Produktionssicherheit fürchten. Zudem treibt die spürbare Unsicherheit im Energiesektor die Preisentwicklung an, die Inflation befindet sich auf Rekordniveau.

Die Angebotsseite wird zudem weiterhin durch Lieferschwierigkeiten eingeschränkt, und auch die Nachfrage hat im Vergleich zu den Vormonaten nachgelassen, da sich viele Unternehmen und Verbraucher Güter und Dienstleistungen nicht mehr leisten können. Außerdem ist die Corona-Krise noch nicht ausgestanden – neue Lockdowns in China und anderswo in der Welt könnten erneut zu negativen Auswirkungen auf die globalen Lieferketten führen.